Sind Rechtfertigungen gerechtfertigt?

Wie oft habt ihr in eurem Leben schon die Sätze,

  • "Ich wusste nicht, dass man das so machen kann, weil es mir niemand so richtig gezeigt hat"
  • "Ich habe das leider nicht geschafft, weil Person XY krank war" 
  • "In unserer Beziehung lief es schon lange nicht mehr gut, es wahr doch nur eine Frage der Zeit bis sie zu Ende ist"
  • "Ich habe beruflich so viel zu tun, dass ich es leider nicht zum Sport geschafft habe"

gehört bzw. selbst benutzt?

 

Warum tun Menschen das immer wieder? Warum ist es für viele Menschen so extrem schwer sich eine Schuld einzugestehen?

 

Für all die jenigen, die es noch nicht wissen, ich arbeite in einer Schlüsselfunktion. Googelt man das Wort, bekommt man als Antwort "eine Funktion von entscheidender Bedeutung", fragt man mich, würde ich es als "der Arsch für alles" definieren. Ich komme also mehrmals täglich mit Situationen in Berührung in denen ich zwischen Unwissenheit, Rechtfertigung und Schuldeingeständnis wählen muss. Und das Ganze innerhalb von Sekunden.

 

Jeder hat im Leben, sei es auf Arbeit oder im Privatleben, eine Aufgabe. Und Fehler machen ist menschlich und natürlich auch wichtig, dennoch ärgert es mich immer wieder aufs Neue, dass es anscheinend, in der Generation "aus dem Auge, aus dem Sinn" mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit wird, andere für sein eigenes Tun und Handeln verantwortlich zu machen.

 

Was denken diese Meschen denn was passiert? Jetzt mal ehrlich, dass es bei den ausgelasteten Anwälten und Richtern in unserem Land zu einem Gerichtsprozess kommt, ist ja eher unwahrscheinlich :-). Und dennoch verhalten sich viele so, als ob das tatsächlich der Fall sein könnte und ihr ganzes Leben danach zugrunde gehen könnte.

 

Warum können sie nicht, anstatt sich zu rechtfertigen, einfach mal eine schlüssige Erklärung abliefern und dadurch endlich mal die Verantwortung für ihr Handeln und Denken übernehmen? Was spricht dagegen sich eine Tatsache einzugestehen und im Gegenzug den passenden Lösungsvorschlag zu bieten?

  • "Ich wusste nicht, dass man das so machen kann aber ich werde beim nächsten mal, wenn ich etwas nicht richtig verstanden habe oder der Meinung bin, dass es mir nicht ausführlich genug erklärt wurde, sofort nachfragen"
  • "Ich habe das nicht geschafft, weil Person X krank war aber beim nächsten mal werde ich, wenn ich merke ich schaffe es in der vorgegebenen Zeit nicht alleine, um einen Aufschub bzw. Hilfe bitten"
  • "In unserer Beziehung lief es schon lange nicht mehr gut aber anstatt sie aus heiterem Himmel zu beenden, hätte ich mit dir reden sollen um zu schauen, ob diese vielleicht doch noch eine Zukunft hat"
  • "Ich habe beruflich so viel zu tun, dass ich es leider nicht zum Sport geschafft habe aber ehrlich gesagt stört es mich zur Zeit auch nicht keinen Sport zu machen"

Ich meine, muss ich mich denn wirklich jeden Tag diesen unnützen Aussagen aussetzen oder schlimmer noch, muss ich Rechtfertigungen tatsächlich als gerechtfertigt ansehen? Nein muss ich nicht! Und, dass mache ich auch nicht! Merke ich, dass jemand versucht, seine Tat jemand anderem in die Schuhe zu schieben, hinterfrage ich die ganze Sache einfach solange, bis mein Gegenüber keine Antwort mehr hat und dadurch natürlich merkt, dass das was hier gerade gesprochen wird, entschuldigt bitte meine Ausdrucksweise, "gequirlte Scheiße" ist.

 

Allerdings spreche ich, wie alles in meinem Leben, grundsätzlich nur 2x an. Passiert etwas ein drittes Mal, schone ich meine Nerven, lasse ich die Leute ihren eigenen Weg gehen und schaue lediglich dabei zu, wie sich sich verlaufen.

 

Rechtfertigung ist keine Charaktereigenschaft die angeboren ist, sondern im Laufe des Lebens antrainiert wird. Und genauso viel Training kostet es einen, diese aus den Köpfen wieder zu verbannen. Schauen wir aber einfach weg und lassen die Leute machen, kann ich euch jetzt schon versprechen, dass ihr es am Ende seid, die mit einem Nervenzusammenbruch zu Hause liegen.

 

Eure skoppl

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Kommentare: 1
  • #1

    Janine (Mittwoch, 31 Januar 2018 14:34)

    Oh da triffst du ja voll ins Schwarze! So ein tolles Thema. Ich hab da noch was seine eigenen Fehler zuzugeben macht unheimlich sympathisch und beliebt. Ich hatte mal nen falschen Brief von der Arbeit rausgeschickt. Nachdem ich den Fehler bemerkt habe einen Korrekturbrief hinterhergeschickt. Ich habe daraufhin einen super netten und dankbaren Anruf erhalten und mir wurde gesagt wie toll ich bin und wie selten das ist.