Video bekommt über Nacht 223.000 Klicks

Neeeeein, hört man eine Frau noch 3 Straßen weiter rufen. Ein lauter Knall und plötzlich zwei Sekunden, die einem vorkommen wie zwei Stunden, absolute Stille. Menschen laufen wie wild auf und ab, kramen in ihren Taschen und holen ihre Handys raus. Die Straße erleuchtet auf einmal extrem hell. So hell, dass ich meine Hand vor die Augen halten muss, um diese vor den vielen Lichtern zu schützen. Ich versuche mich nach vorne zu drängeln. Die Menschen stehen dicht an dicht… sie flüstern… ich verstehe nichts. Ich versuche weiterhin mit ganzer Kraft mich durch sie hindurch zu schieben. Ein Mann pöbelt mich an: „Pass doch auf“ Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich ihn kenne bzw. wir uns jemals persönlich vorgestellt wurden. Nun gut, ich sehe ihn nicht, das Licht blendet zu stark, ich senke den Kopf und gehe ohne ein Wort an ihm vorbei. Ich schaue hoch und ein kalter Schauer überkommt mich. Eine Frau kniet auf der Straße, sie weint, ihr ganzer Körper zittert, Blut läuft unter ihren Beinen hindurch, sie fragt laut: „Wo bleibt denn bitte der Notarzt?“ Keine Reaktion, alle filmen weiter. Ich beuge mich zu ihr runter, der Anblick, der sich mir bietet, löst das Gefühl von Unsicherheit in mir aus, ich fange an zu zittern, Tränen laufen über mein Gesicht. Ein Junge, vielleicht 4 Jahre, blutüberströmt, sein kleiner Brustkorb hebt sich ganz leicht auf und ab, seine blauen Augen gucken mich hilfesuchend an. Ich hol mein Handy raus, kann es kaum bedienen vor lauter Angst und Aufregung. Ich rufe 112 an und frage ob der Unfall hier bereits gemeldet wurde. „Nein, wo befinden Sie sich, keine Sorge wir sind sofort da, bleiben Sie ruhig“ bekomme ich am anderen Ende der Leitung gesagt. Mir fällt das Handy aus der Hand, mir ist es egal. Die Mutter will ihr Kind nehmen. Ich sage: „Nein, lassen Sie ihn liegen, wir könnten ihn verletzen“ Ich ziehe meine Jacke aus und lege sie über ihn. Soviel Blut! Die Mutter und ich drücken auf die kleinen Ärmchen, voller Hoffnung, dass das Blut weniger wird. Ich höre eine andere Frau weinen und leise sagen: „Ich hab dir doch gesagt, wir hätten bis zu Hause warten sollen. Schau was wir getan haben“ Was meinte sie? Ich hebe den Kopf und sehe einen Mann, dessen Hose auf ist. Ich höre die Sirene. „Der Notarzt kommt, es wird alles gut“ sage ich zu der Mutter. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob alles gut wird aber ich will ihr Mut zusprechen. Irgendwas machen. Irgendwie helfen. Warum wollen das die anderen nicht? „Nun machen Sie doch mal Platz, verdammte scheiße, das kann doch hier alles nicht wahr sein“ höre ich auf einmal einen sehr wütende Männerstimme. Die Leute gehen auseinander. Der Notarzt kommt. Eine Sanitäterin kümmert sich um die Mutter. Der kleine Junge wird versorgt. Sie werden beide in den Krankenwagen gebracht und fahren davon. Ich stehe da, eine halbe Stunde stehe ich da und weine. Um mich herum ist es nun dunkel und leise. Mein Mann holt mich ab und bringt mich nach Hause. Er legt mich ins Bett und macht mir eine warme Milch mit Honig. Am nächsten Tag bekomme ich eine Nachricht… Mutter weint um ihren Jungen… Video bekommt über Nacht 223.000 Klicks. Willkommen im Jahr 2018!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    sara_loves_diamonds (Montag, 22 Januar 2018 11:05)

    Diese ekelhaften Gaffer! Sehr schöne Geschichte, die einem Gänsehaut verpasst und einen daran erinnert, was man im Notfall zu tun hat und was vor Allem NICHT!

  • #2

    Nati (Samstag, 29 September 2018 20:24)

    Top! Super Geschichte Liebes!! Du bringst es auf den Punkt. Viel Liebe für dich!!